Medizinischer Dienst. Die Angst wenn der Brief kommt

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Vor wenigen Wochen bekam ich die Einladung zum MDK =* Medizinischer Dienst der Krankenkassen* beauftragt durch meine Krankenkasse. - Von wem auch sonst - 
Erster Gedanke in meinem Kopf - das packe ich nicht ein zweites mal ! - Bereits 2013 musste ich zum MDK, damit sie ein Gutachten - hässliches Wort, als wäre ich eine Sache - von mir erstellen konnten. Arbeitsfähig oder nicht. Wiedermal ist in meinem Kopf, ich muss mich für meine Krankheit die keiner sieht  beweisen - rechtfertigen! Kämpfen um mein Wohlbefinden. Die Kraft kann ich nicht noch einmal aufbringen und schon gar nicht alleine. Angst hat sich in mir breit gemacht und ziemlich verfestigt. Dieser eine Brief ist für mich ein riesiger Berg, den ich anscheinend nicht bewältigen kann. Unangenehmes schiebt man gerne vor sich her.

- negative Gedanken in meinem Kopf -

Nach erstem Versuch mich einem Freund mitzuteilen - meine Angst - mein Denken - mein Empfinden - hab ich das Mitteilen ganz schnell aufgegeben. Sätze wie: "Jetzt warte es doch erstmal ab" oder "Das wird schon" kann ich in so einem Moment überhaupt nicht gebrauchen und sind wie Schläge mitten ins Gesicht. Eigentlich erhoffte ich mir Zuspruch und aufmunternde Worte. Gemeinsam diesen Berg besteigen! Eine Hand die mit mir geht. Seine nicht. Eine mittlerweile sehr gute Freundin hat sofort erkannt was zu tun ist. Gemeinsam zum MDK gehen ! Ohne Rückhalt | Beistand hätte ich diesen Termin nicht gemeistert. Dafür bin ich Dir sehr Dankbar!

Am Termintag bin ich total nervös und grübel vor mich hin. Auch die Tage | Nächte davor. Die Kraft erneut aufzubringen, auf alle Fragen dort zu antworten - ja nichts falsches sagen - fällt mir schwer. Meine Freundin ist mir bereits auf der fahrt dorthin eine große seelische stütze. Am liebsten würde ich krank machen. Nicht hinfahren ( fahre immer mit Angst Auto). Verschieben. Tage zuvor bin ich bei meinem Hausarzt gewesen, der mir die notwendigen Papiere ausgefüllt und die Diagnose nochmals bestätigt hat. Gibt mir etwas Sicherheit.... 

Das Verhör Gespräch:
..verläuft sehr anstrengend. Die Gutachterin - ich sag ja, ich bin eine Sache - stellt meine Nerven wirklich auf die Probe. Tränen bleiben nicht aus. Gegen alle Erwartungen ist die Gutachterin ein sehr herzlicher einfühlsamer Mensch. - Glück gehabt - Sie spricht ruhig und sehr menschlich mit mir. Meinen Sorgen und Bedenken gegenüber ist sie sehr offen. Auf mein Denken ich bin hier um mich zu Beweisen, reagiert sie ebenfalls sehr offen und widerlegt diesen Gedankengang. Sie gibt mir das Gefühl ernst genommen zu werden. 
Meine Freundin ist bei diesem wichtigen Gespräch dabei. Natürlich hab ich vorher das Internet nach meinen Rechten bezüglich auf seelischen Beistand durchforstet. Ebenso, wie Gespräche bei anderen verlaufen sind. Die Erfahrungen der Betroffenen sind sehr unterschiedlich. Für mich verlief dieses Gespräch - gleicht einem Verhör - erstmal positiv.


Diagnose: 
weiterhin Arbeitsunfähig. - es könnte eine Reha angestrebt bzw. verordnet werden - 

Erfahrungen der letzten 7-wöchigen psychosomatischen Reha (2012) haben mir gezeigt, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht in eine stationäre Reha gehen möchte. Ohne Rückhalt einer Psychotherapie werde ich keine weiteren Schritte mehr tun. Vielleicht denke ich da falsch. Ich kam damals von der Reha zurück und hatte keine weiteren Hilfen - keine Therapie -. Es ging in bezüglich einer Nachsorge nicht weiter. Damals schickte der MDK mich sogar arbeiten! Für Arbeitsfähig empfunden stürzte ich mich zurück ins Leben.
Lass ich meine Kinder jetzt alleine, empfinde ich das als ziemlich schrecklich. Meine kleine Tochter 10 Jahre, leidet seit meinem Autounfall unter Verlustängste. Hier hab ich große Angst durch meine Abwesenheit, noch grösseren Schaden anzurichten! Zu Hause fühle ich mich zur Zeit wirklich am wohlsten. Kann für meine Kinder da sein.  Mein Zuhause ist meine größte Tankstelle! 
Auch diese bedenken nimmt die Gutachterin überraschend positiv auf. Alternativ empfiehlt sie mir eine Tagesklinik. Hab ich weiterhin Probleme einen Therapieplatz zu finden, wird die Kasse mir einen Platz bei einem geeigneten Therapeuten der nicht mit den Kassen abrechnet, zur Verfügung stellen müssen.

Tagesklinik:
Wie wird das ablaufen? Wann komm ich nach Hause ? Wer macht dann meinen Haushalt? Wer erledigt alle Termine die anstehen? Zusätzlicher Stress für mich. Ich bin Mutter 2er Kinder. Ist das zu bewältigen? Denkt man daran, wie schwer das alles für eine Mutter ist. Wieder Gedanken die in meinem Kopf kreisen. Neuer Stress der auf mich zu kommen wird. Ich kann dieses Denken über - was wäre wenn - nicht einfach ablegen. Klappt nicht. Mein Kopf verfällt immer wieder diesen Gedankengänge. 
Gewisse Menschen aus meinem Umfeld würden jetzt wieder sagen: "Jetzt warte doch erst mal ab".

Körperliche Untersuchung:
Natürlich untersucht mich die Gutachterin auch auf mein Rückleiden, worunter ich seit dem Unfall leide. Schmerztabletten, mein täglicher Begleiter. Es bessert sich nur langsam. Braucht seine Zeit. Hier glaube ich allerdings, will man mich nicht verstehen oder glaubt man mir nicht. Immer wieder höre ich Aussagen wie: "Das muss ja mal besser werden". Wieso glaubt man, dass Menschen immer nach Statistiken einzuordnen sind? Jede Krankheit verläuft bei jedem Menschen anders. Ich bin keine Zahl aus einer Statistik! Nur weil es bei anderen schneller ging, muss das bei mir nicht auch der Fall sein. 
Also hier nochmals ab zum Orthopäden.

Sie kommt zu dem Entschluss: 
Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Dies zu akzeptieren fällt mir schwer. Meine häusliche Arbeit jemand anderem zu überlassen während ich faul bin, ist für mich eine schreckliche Vorstellung. Hier setz ich mich wieder gedanklich unter Druck. Hilfe anzunehmen fällt mir einfach noch zu schwer. Es ist doch meine Aufgabe als Mutter und Ehefrau dafür zu sorgen, dass unser Zuhause ordentlich bleibt. Für die Kinder und meinen Mann zu sorgen. Ich weis ich muss diese Hilfe annehmen, sonst wird der Zustand zu Hause immer schlimmer und meiner nicht besser. Kann es aber irgendwie nicht.

...weitere Schritte...
Seit dem Gesprächstermin warte ich - mit Angst und negativen Gedanken - auf den Antwortbrief der Krankenkasse. In Zusammenhang mit dem Gutachten wird sie über meine weiteren Wege die ich gehen soll, entscheiden. Wiedermal entscheiden Ämter darüber, was gut für mich ist. Nicht ich! Ich beziehe Krankengeld. Das will natürlich gut angelegt sein! So denkt die Kasse! Meinen Zustand allerdings verbessert es nicht. Es ist für mich weiterhin ein riesiger Berg der nicht zu erklimmen ist und macht mir zusätzliche Angst und innerlichen Stress. Warum denkt man nicht daran, wie es mir damit ergeht. Wie es den psychosomatischen erkrankten überhaupt ergeht, sie so unter Druck zu setzen. Hauptsache ich liege ihnen nicht noch länger auf der Tasche. Sie drängen mich wieder zu etwas, wo ich vielleicht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bereit bin. 

Hast Du Erfahrungen mit dem MDK gemacht. Kennst Du diese Gedanken? Vielleicht auch Erfahrungen in einer Tagesklinik gesammelt? Ich möchte gerne Deine Gedanken erfahren :-)







Kommentare:

  1. Ich sehe mich in so vielem wieder, auch wenn wir unterschiedliche Ausgangspositionen haben...

    Habe nur Erfahrung mit stationärer Rehe und würde es auch nie wieder machen. Zuerst bist du ohne Familie, dann fühlte ich mich damals unverstanden und wurde nach Hause geschickt, angeblich voll einsatzfähig- weder zu Fuß noch im Kopf fühlte ich mich gesund. Hmmm...das jährt sich nur alles ein Jahr und ich bin Dank meiner lieben Ärztin weiterhin arbeitsunfähig - das würde ich nicht schaffen, denn auch mir gibt nur meine Familie Kraft.

    Und wegen den Ämtern, die über dich entscheiden: mir hat mal jemand gesagt, ein Psychologe oder gar Psychiater kann dir nur aus dem Lehrbuch erzählen, da sie die Erkrankungen niemals durchgemacht haben. So ist es auch mit dem MDK. Beruflich habe ich viel mit denen zutun gehabt und mir manchmal gewünscht, sie wären so alt und zerbrechlich wie "meine" Bewohnter damals, die keine Pflegestufe bekamen. Ich wünschte mir das nicht, weil ich ein böser Mensch war...ich wünschte mir das, weil ich viele Kriterien, nach denen entschieden wird, einfach nicht verstehe.

    Ich drück die Daumen, dass du eine Nachricht bekommst, die nur dir helfen kann!

    Liebe Grüße
    Kathrin

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    1. :-)
      Ich versuche positiv jeden Tag am Briefkasten vorbei zu gehen - lächle ihn an und sage: "heute hast du gute nachrichten für mich" - bis jetzt hat es geklappt. Es gab noch keine *haha*
      Der MDK geht nicht nach Fakten sondern nach Regeln. Pflegestufen werden auch einfach so bestimmt. Dabei können die Gutachter nicht empfinden was der Patient empfindet! Ich versteh Dein Denken ! Einmal das fühlen, was der Patient fühlt und so manch Entscheidung wäre anders getroffen worden !

      kussi
      Melle

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  2. Hallo Melle,
    ja vor vielen Jahren hatte ich wegen einer anderen Sache mit dem MDK zu tun. Einfach nur schlimm. Gerade bei der körperlichen Untersuchung kam ich mir wie Schlachtvieh vor :-( Schön, dass Du so eine liebe Freundin hast. Allerdings habe ich gelernt, nicht zu erwarten, dass selbst die beste Freundin immer erkennt und fühlt was man gerade braucht oder nicht. Man muss lernen seine Wünsche zu äußern. Ich muss das zumindest noch lernen. Tagesklinik wäre für mich nichts, was aber nicht bedeutet, dass sie Dir nicht helfen würde. Jeder Mensch ist anders, jede Klinik usw. Wenn Du jedoch schon von vorneherein eine Abneigung/Bauchgefühl dagegen hast, dann wird es aus meiner Sicht nichts bringen.
    Ich wünsche Dir, dass Du den richtigen Weg/Therapie für Dich findest.
    Alles Liebe vom KräuterRabe

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    1. Ich weis man muss offen für jegliche Behandlung sein. Meine Gedanken sind mir oft im Weg!

      Thema Freunde:

      Ich bin es leid, mich immer zu erklären. Ich hab meinen engsten Vertrauten erzählt was mit mir los ist. Hab die Fakten aufgezählt und gebeten Nachsicht zu haben! Auch wenn ich mich nicht melde. Hab an guten Tagen ihnen erklärt, was an schlechten Tagen in meinem Kopf los ist.
      Ich kann einfach an schlechten Tag nicht so klar denken wie jetzt. Vielleicht kann ich das irgendwann.
      Mehr als sagen und erklären kann ich mich auch nicht. Manchmal reicht einfach eine kleine Hand oder eine Umarmung um wieder Kraft zu schöpfen. Nicht via Whatsapp oder am Telefon. Persönliche Nähe tut oft Wunder. :-) weist was ich meine ?

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    2. Ja, ich weiß was Du meinst. Leider kann ich Dir nur virtuell eine Umarmung schicken, eine Hand reichen. Ich weiß ist nicht dasselbe, aber es kommt von Herzen. Alles Liebe für Dich ...............

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  3. Hi Melle,
    Dein Blog ist wirklich toll und ich finde es großartig, wie offen und ehrlich Du mit Deinen Gefühlen und dem Thema Depression umgehst!
    Ich habe persönlich auch bereits Erfahrungen mit Therapien und Medikamenten (Venlafaxin, Teufelszeug...) gemacht und suche momentan weiter nach einer Möglichkeit, eine Verhaltenstherapie zu beginnen.
    Mach weiter mit Deinen positiven Gedanken und lass Dich nicht unterkriegen!
    Liebst
    Fran

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    1. Guten Abend Fran,

      hoffe Dein Feiertag war genauso sonnig wie meiner?

      Danke für Deine tollen Worte bezüglich meines Blogs.
      Venlafaxin kenn ich auch! Mag ich nicht mehr!
      Ich versuche aus jedem Tag mit etwas positives zu ziehen um nicht ganz zu versinken.

      Dir auch alles Gute. Hoffentlich findest auch du schnell einen für dich geeigneten Therapeuten

      kussi Melle

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★ Jeder noch so kleine Gedanke macht Mut und zaubert mir ein lächeln ins Gesicht. Ich freu mich ! ★